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"Wie im Paradies...!" Projektbesuche Rio Muchacho und Ricancie, März - April 2008
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Projektbesuche Rio Muchacho und Ricancie (März-April 2008)
Hallo Dorit und Xavier,
zurück von unserer Ecuadorreise vom 19.03 bis 15.04.08, schicken wir euch hiermit unseren Reisebericht.
Wir wollten eine Reise durch Ecuador fernab des traditionellen Tourismus und vor allem Land und Leute kennen lernen. Euer Vorschlag, auf unserer Tour jeweils 3 Tage in zwei Projekten an der Küste und im Regenwald zu verbringen, begeisterte uns sofort. Die Bilder im Internet erhöhten die Spannung und unsere Vorfreude. Doch das Leben in den Projekten überstieg bei Weitem noch unsere Erwartungen.
Als uns ein Shuttle von Canoa an der Küste ins nahe gelegene Projekt „Rio Muchacho“ bringen sollte, mussten wir aufgrund der vorangegangenen Regenzeit für die letzten 10 Kilometer auf Pferde umsteigen, da die Straße für Fahrzeuge nicht mehr passierbar war. Auf der ökologischen Farm angekommen wurden wir sofort sehr herzlich von Dario und Nicola, den Betreibern der Farm begrüßt und zu einem tropisch-vegetarischem Mittagessen aus eigener Produktion eingeladen. Der Tisch unter Palmendächern war mit Bananenblüten und mit handverzierten Schälchen und Löffeln aus Mate-Früchten gedeckt. Wir waren begeistert!!
Eine erste Vorstellungsrunde bei Tisch ließ uns sehr schnell mit den Mitarbeitern in Kontakt kommen und es wurde viel gelacht über unser schnell antrainiertes Spanisch.
Unser Quartier, eine komfortable, liebevoll eingerichtete Bambushütte mit einer Terrasse hoch über dem Rio Muchacho, hatte eine eigene über eine Solaranlage betriebenen Dusche und eine hübsche ökologische Komposttoilette. Wenn wir in der Hängematte lagen und dem Zirpen der Grillen lauschten, kamen wir uns wie im Paradies vor!
Uns wurde das hoch entwickelte, in über 25 Jahren entstandene ökologische System der Farm erklärt. Dabei hat uns die Stimmigkeit des Gesamtkonzeptes besonders beeindruckt.
Bei dem dreitägigen Programm haben wir viel über die Gegend und die Lebensweise der Menschen in diesem Land erfahren. Wir haben gelernt tropische Früchte zu ernten und zuzubereiten. Das Abendprogramm ohne elektrische Medien war nie langweilig, denn wir haben Kaffe und Kakao geröstet und erlebt, wie viel Arbeitsschritte benötigt werden bis das Endprodukt verzehrt werden kann.
Unter Anleitung haben wir Schmuck und die von uns täglich benutzten Mate-Schälchen und -löffel hergestellt. Die Umgebung haben wir zu Fuß und zu Pferde mit unserem persönlichen Begleiter, erkundet. Besonders beeindruckt hat uns dabei ein Besuch bei einer 93-jährigen Frau, die abseits allein in einer kleinen Hütte am Rande des Regenwaldes lebte. Bei ihr haben wir unser traditionell zubereitetes Lunchpaket, verschnürt in Bananenblättern, verzehrt.
Zum Abschluss bekamen wir noch eine keramische Schönheitsmaske, die wir mit ökologisch angebauter Aloe Vera abgerundet haben.
Auf der Farm war immer etwas los, denn es gab außer uns noch weitere Gäste. Dazu gehörte eine amerikanische Besucherin, die sich für drei Wochen an der Farmarbeit beteiligte, sowie zwei junge Amerikanerinnen, die als Volontärinnen einen Monat auf „Rio Muchacho“ verbrachten. Außerdem gab es eine Klasse kanadischer Jugendlicher mit ihren Lehrern, die sowohl die ökologische Landarbeit kennen lernen, als auch ihr Spanisch verbessern wollten.
Uns hat besonders das abwechslungsreiche, gut durchdachte Programm, sowie die liebevolle, harmonische Atmosphäre auf der Farm gefallen. Die drei Tage in „Rio Muchacho“ haben uns in jeder Hinsicht bereichert. Wir haben gelernt, mit einfachsten, natürlichen Mitteln umweltfreundlich zu leben. Dabei hatten wir oft das Gefühl, dass gar nicht wir die „Reichen“ sind.
Unser zweites Projekt erreichten wir, nachdem wir mit dem Bus von Quito nach Tena gefahren sind. Von dort wurden wir zu einer fünfköpfigen Familie am Rio Napo gefahren, bei denen wir einige Tage zu Gast sein durften. Bei diesem Projekt, das von der Gemeinde (Comunity) organisiert wurde, waren wir die einzigen Gäste und wurden von der gesamten Familie betreut.
Der Familienvater zeigte uns die Gegend und erklärte uns dabei, wie die verschiedenen Pflanzen genutzt wurden, welche Früchte essbar waren und welche medizinische Wirkung sie hatten. Auf unseren Wunsch hin zeigte er uns die kleine einklassige Grundschule seiner Kinder, wo wir auch deren Schulkameraden kennen lernen konnten.
Zu Fuß machten wir eine Halbtagestour mit seinem Neffen, seinem Sohn und zwei Hunden durch den Regenwald, die wir mit einem Bad im eiskalten Rio Napo abschlossen. Im Fluss konnte man Gold waschen, wozu der Vater in Kindertagen von seinen Eltern angehalten wurde, allerdings nur mit sehr mäßigem Erfolg. Zum Abschluss haben wir unter der Anleitung der Mutter mit der gesamten Familie Armbänder aus Naturmaterialien hergestellt.
Wir haben erlebt, dass das Leben dort sehr ärmlich und ausgesprochen aufwendig ist. So wurden in der Dunkelheit am Abend noch Fische gefangen, die dann am nächsten Tag, verbunden mit einem vierstündigen Fußmarsch, in dem nächstgelegenen Ort auf dem Markt verkauft wurden.
In dem Projekt waren wir in einfachen Hütten untergebracht. Es gab keinen Strom, dafür aber ein Wasserklosett. Die Duschen wurden gerade erst gebaut. Für unsere Verpflegung bekam die Familie Lebensmittel (und Toilettenpapier) von der Gemeinde (Comunity). Obwohl die Natur auch hier sehr reich war, ist das Leben jedoch sehr viel karger als in „Rio Muchacho“- Auch diese Unterschiede auf unserer Reise wahrzunehmen und mitzuerleben war für uns eine Bereicherung.
Ein wunderbares Frühlingswochenende wünschen euch Andrea und Renate
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Projektbesuch Los Cedros (September-Oktober 2006)
Es ist 6.00 Uhr morgens im Reserva Biológica Los Cedros, 60 Kilometer nordwestlich von Ecuadors Hauptstadt Quito. Langsam bahnen sich die ersten Sonnenstrahlen ihren Weg über die Höhenzüge der umliegenden Berge. Die Tautropfen auf den Blättern brechen und reflektieren das Licht auf wundersame Weise und tauchen alles in einen glitzernden Schimmer. Die Natur erwacht. Mit ihr verstärkt sich das in den tiefen Nachtstunden abgeklungene Zirpen der Grillen und Zikaden, die Geräusche der zahllosen Insekten, welche nie zuvor an ein europäisches Ohr gedrungen sind und es erhebt sich ringsum in den Bäumen und Büschen der Gesang der Vögel. Jetzt, da sie sich die am Abend an den Lampen hängengebliebenen Motten als Frühstück einverleiben, ist die beste Zeit, um sie zu beobachten.
Der Tag für die menschlichen Bewohner der auf 1.400 Metern im ecuadorianischen Nebelwald gelegenen Station beginnt spätestens um sieben Uhr. Sowohl morgens als auch zu den anderen Mahlzeiten, isst man, was die Natur in einer solch abgelegenen Gegend zu bieten hat oder was die Maultiere über vier Stunden vom letzten erreichbaren Ort gerade noch so auf ihren Rücken hierher transportieren können. Bewundernswerterweise ist die Nahrung, welche die Küchenmädchen zubereiten äußerst reichhaltig und bekömmlich: es gibt frische Säfte aus Orangen, Papayas, Ananas, und anderen Früchten, dazu Haferflocken, allerlei Teiggerichte wie die typisch südamerikanischen Empanadas, Reis und Nudeln mit schmackhaften Soßen, Linsen, Erbsen, Bohnen und verschiedene Salate und als Krönung selbstgemachte Pommes Frites, wie man sie besser wohl in keinem Fast-Food-Restaurant dieser Welt finden wird.
Genauso reichhaltig an Speisen und unbekannten Gerüchen wie die Tische und die Küche in der Station ist der umliegende Wald an Pflanzen, Bäumen und Tieren. In dem 6.400 Hektar großen Gebiet leben unzählig viele Insekten, über 300 verschieden Vogelarten, Wildkatzen, Bären und vor allem drei seltene Primatenarten: der Weißschulterkapuziner (Cebus capucinus), der Mantelbrüllaffe (Alouatta palliatta) und der Braunkopfklammeraffe (Ateles fusciceps), welcher als bedrohteste Spezies von allen schon fast zu einer Art Aushängeschild für das Reservat avanciert ist.
Im Jahr 2002 startete die Universität Sussex (UK) in Zusammenarbeit mit zahlreichen ecuadorianischen NGO's ein Projekt zur Erforschung der Primaten und ihres Lebensraumes, wobei auch die Bewohner umliegender Orte einbezogen werden und Grundkenntnisse über die sie umgebende Umwelt erlangen sollen.
Wenn man hier auf den verschiedenen Trails unterwegs ist, Wege die für Touristen und Wissenschaftler gleichermaßen angelegt worden sind, so hat man die Ohren stets gespitzt und die Augen weit geöffnet, um jede Bewegung in den Bäumen genauestens wahrzunehmen und vielleicht, auch wenn es äußerst schwierig ist, einen Affen zu erblicken.
Auf diesen Wanderungen trägt man somit einerseits zur Datensammlung für die Biologen bei, andererseits kann man in vollen Zügen die Schönheiten der Natur genießen: eine der schönsten Strecken ist wohl der Camino de la Cascada, welcher einen entlang eines wunderschönen Flusslaufs bis zu einem Wasserfall führt. Am Wegesrand warten Bäume mit allerlei Überraschungen auf: Völlig euphorisch bissen wir am Anfang beim Anblick orangener vollreifer Früchte in vermeintliche Mandarinen und verzogen Sekunden später ganz verwundert das Gesicht: Diese Mandarine schmeckte so gar nicht süß, sondern sie war sauer wie eine Zitrone. Des Rätsels Lösung erklärt uns Martin, einer der ecuadorianischen Arbeiter, am nächsten Tag: bei den verlockenden Früchten mit der sauren Überraschung handelt es sich um eine Kreuzung aus Zitronen und Mandarinen, limón mandarin eben.
Wer hier in den Nebelwald mit der Erwartung kommt, all jene Tiere und bunt leuchtenden Pflanzen auf einmal zu erblicken, welche die Reiseführer und Fotobildbände zeigen, mit wird herb enttäuscht werden. Es ist nicht anders als zuhause: wie oft erblickt man in der Realität bei einem Spaziergang durch einen deutschen Wald auf Anhieb einen Hirsch, einen Fuchs oder ein Wildschwein? Wer jedoch geduldig ist und sich Zeit nimmt für den genauen Blick, der wird hier im Reserva Los Cedros ein Paradies entdecken können.
Anselm Oelze (20) und Andrea Freund (19) arbeiteten im September und Oktober 2006 einige Wochen als deutsche Volontäre in der Reserva Biológica Los Cedros.
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